Leyla ~ Zwischen Licht und Dunkelheit - Volume 1
Leyla ~ Zwischen Licht und Dunkelheit ist ein privates Schreibprojekt ohne professionellen Anspruch. Die Geschichte ist entstanden aus meinen Träumen und meiner Fantasie. Auch wenn es hier noch nicht viel zu lesen gibt, hoffe ich du hast viel Freude Leylas Reise zu begleiten.
Kapitel
Prolog ~ Der Ursprung von Noctua
Früher lebten Engel und Dämonen Seite an Seite. Gott Elyon erschuf die Engel, die für Licht und Ordnung standen, und er erschuf die Dämonen, welche die Dunkelheit und Veränderung verkörperten, um das Gleichgewicht zu wahren.
Doch die Engel fühlten sich durch die Ansichten der Dämonen gestört, wodurch immer größere Spannungen zwischen beiden Fraktionen entstanden.
Als sich eines Tages ein Dämon aufgrund von Liebe auf einen Engel prägte, kam es zum Krieg, denn eine solche Verbindung unter den Völkern war verboten. Engel und Dämonen durften koexistieren, aber niemals vereint sein, um das Gleichgewicht nicht zu gefährden.
Als Strafe wurde der geliebte Engel vor aller Augen dem geheiligten Licht geopfert. Dieser Akt empörte die Dämonen, und so begann der Krieg, den sie schließlich verloren.
Sie wurden von den Engeln aus dem Himmelreich verstoßen und in den Abyss gebracht. Einen Ort, an den nur Wesen mit den dunkelsten Absichten verbannt werden.
Doch da die Dämonen im Grunde nicht böse waren, konnten sie aus dem Abyss entkommen, denn sie gehörten nicht dorthin. Sie fanden ein neues Leben auf der Oberfläche der Welt, doch viele Menschen fürchteten sie und hießen sie nicht willkommen. Dasselbe Schicksal ereilten auch andere nichtmenschliche Wesen wie beispielsweise Zwerge, Tiermenschen und Elfen.
Und so schufen zwei Dämonenbrüder im fernen Velmora, einem vergessenen Land, das von den Menschen längst aufgegeben worden war, einen Ort namens Noctua der Zuflucht und ein Zuhause für all jene, die nirgendwo sonst willkommen waren.
Kapitel 1 ~ Der Käfig
Hunderte Male hat Leyla schon die Ursprungsgeschichte ihrer Heimat Noctua durch die Ältesten gehört. Und ebenso oft wird ihr gesagt, wie gefährlich es für sie wäre, die Barriere zu verlassen.
„Es kann doch nicht alles sooo schrecklich sein?!“, beteuert sie immer, wenn sie sich wieder mal eine Standpredigt der Ältesten anhören muss.
Die junge Halbdämonin Leyla Noctis lebt in einem abgelegenen Reich namens Velmora, das vielen längst als vergessen gilt. Ein Ort der Zuflucht für jene, die in den übrigen Ländern keinen Platz mehr fanden. Für die Menschen galt Velmora als unbewohnbar und lebensfeindlich, weshalb sie das Land längst aufgegeben hatten. Genau deshalb existierte hier nur eine einzige Stadt: Noctua.
Getrennt von den Menschenreichen wird Velmora durch die gefährliche Nebelschlucht, in der starke Bestien wie die Nebelwölfe leben – Wesen, vor denen sich die Menschen fürchten, ohne sie jemals wirklich verstanden zu haben. Ausgewachsene Nebelwölfe sind sehr groß, stark und weise und besitzen ein unfassbar weiches Fell. Sie greifen nur an, wenn jemand die Schlucht mit feindlichen Absichten betritt. Etwas, das die Menschen nie gelernt haben zu unterscheiden.
Leyla schaut den großen Wolf neben ihr an und streicht ihm sanft über sein silberfarbenes flauschiges Fell. Dieser erwidert ihren Blick mit seinen großen, eisblauen Kulleraugen und kuschelt sich noch enger an sie. Ja, so gar nicht furchterregend, denkt sie sich und schmunzelt. Dvalins ruhige Nähe ließ ihre Gedanken kurz zur Ruhe kommen.
„Beschäftigt dich wieder die Welt außerhalb von Velmora, Leyla?“, fragt Dvalin mit besorgter Stimme. Ihr Wolfsfreund versucht, sie mit sanften Worten aufzumuntern. „Du hast hier doch deine Familie und mich. Und so viele Bewohner Noctuas lieben dich auch.“
Sie kuschelt sich noch tiefer in das Fell ihres Kindheitsfreundes. Noctua war ihr Zuhause. Und doch fühlte es sich manchmal an, als würde ein Teil von ihr ständig nach etwas sehnen, das außerhalb dieser Grenzen lag. Es gibt so viel, was sie noch nie gesehen hat.
Dvalin wusste wie sehr Leyla sich wünschte die Welt außerhalb Velmoras zu sehen und sagte leise:
„Du tust mir ja leid, Leyla. Aber alles dient nur zu deinem Schutz. Draußen könnte ich dich nicht so gut beschützen wie in Noctua.“
Leyla schnaubt leise.
„Also bitte! Ich bin mittlerweile alt und stark genug, um mich selbst zu beschützen. Und nebenbei….ich beschütze wohl eher dich! Wer gehört hier zu der Elite der Demon Harbingers?“ Sie lachen beide herzlich.
Vielleicht war die Welt da draußen wirklich nicht so schön, wie sie es sich vorstellte, aber selbst das wollte sie mit eigenen Augen sehen. Sie wollte verstehen, was jenseits des Reiches Velmora lag.
Die unbekannte Welt lockt sie mit Bildern von pinken Bäumen, von denen ihr die Vögel erzählen, und mit der Sehnsucht nach Orten, die ihre menschliche Mutter ihr beschrieben hat. Orte, die aussehen wie aus ihren alten geliebten Märchenbüchern. Eine Welt, in der sie nicht ständig daran erinnert wurde, wie sie aussah. Eine Welt ohne ihre verflixte Dämonenform, in der sie sich so unwohl fühlte.
In ihrer Dämonengestalt ähnelt sie jenen alten Dämonenherrschern, deren Seelen vollständig von Dunkelheit zerfressen wurden. Doch sie ist nicht wie sie, auch wenn sie das nicht vor dem Spott anderer schützt.
Außerhalb der Barriere wäre sie nicht der mächtigen Dunkelmagie ihres Vaters ausgesetzt und könnte frei in ihrer menschlichen Gestalt leben. Denn je weniger Dunkelmagie sie umgibt, desto mehr Licht ist in ihr. Und so könnte sie endlich immer in ihrer Menschengestalt bleiben. Doch ihr Vater würde dies niemals erlauben.
Leyla wusste, warum Noctua existierte. Warum Dämonen hier Schutz boten. Nicht nur für sich selbst, sondern für all jene, die nirgendwo sonst hingehörten. Jeder unnötige Schritt nach außen konnte Aufmerksamkeit erregen. Jeder unnötige Schritt nach außen bedeutete ein Risiko durch Engel, durch alte Feinde, durch eine Welt, die sie lieber vergessen hatten.
Um nach Noctua zu gelangen, musste man die Nebelschlucht und die weite Geröllfläche Velmoras überqueren. Erst danach erscheint eine lebhafte Flora und Fauna. Keine Ödnis, wie von den Menschen vermutet. Ein kristallklarer See breitete sich aus, durchzogen von einem Fluss, der sich bis ins Meer schlängelte und direkt durch die Stadt Noctua floss.
Farbenprächtig und erfüllt von Leben, wohnen hier all jene, die Schutz suchten oder geboren sind. In Noctua, abgeschirmt durch eine mächtige Barriere, die ihr Vater Daerion und ihr Onkel Varos erschaffen haben, leben Dämonen, Menschen, Mischwesen und viele andere, die von der Welt verstoßen wurden. Hier gehört Leyla zu den Demon Harbingers, einer Elitegruppe, die das Reich vor feindlichen Angriffen schützt. Besonders vor den Engeln, die Dämonen ohne Rücksicht auf Unschuldige angreifen.
So tragen die Dämonen nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch für alle anderen Völker, weil sie die stärksten sind und sie es sich zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben alle Lebewesen in Velmora zu beschützen. Somit war für die meisten die Barriere Noctuas reiner Schutz. Für Außenstehende ist sie nichts als Landschaft. Für Leyla jedoch fühlte sie sich mittlerweile mehr wie ein Käfig an, die ihr dem Atem nahm. Jedoch ist es nur erlaubt, Noctua in Gruppen zu verlassen für begrenzte Zeit und bestimmte Aufgaben. Zum Schutz aller. Sie seufzt bei dem Gedanken, ihr ganzes Leben vielleicht nie über Velmoras Grenzen hinauszukommen.
Sie fragte sich, ob dieses Gefühl jemals verschwinden würde. Oder ob sie Velmora eines Tages verlassen würde. Ganz gleich, was ihr Vater sagte. Für einen Moment herrschte Stille. Nur das Rauschen des Windes war zu hören. Dvalins feuchte Nase stupste sie an, als wolle er sagen, sie solle nicht zu sehr in Gedanken versinken.
Schritte hinter ihr rissen sie aus ihren Gedanken. Da erklang eine vertraute, verschmitzte Stimme hinter ihr: „So starrst du vielleicht doch noch irgendwann ein Loch in die Barriere! So oft, wie du hierherkommst, kleines Vögelchen!“, und lachte.
Varion, ihr Onkel. Groß, kräftig und mit einem Blick, der selten ernst blieb trat aus dem Schatten der Bäume.
„Haha, sehr lustig …“, murmelt Leyla.
„Ach … wenn du nur mal so zuverlässig zu den Ratssitzungen kommen würdest“, erwidert er und lässt ein Grinsen folgen.
„Es wird doch sowieso nur immer wieder dasselbe besprochen. Viel tut sich in Velmora nicht. Und gegen die Engel sind wir sehr gut gewappnet. Außerdem ist es Jahre her seit sie das letzte Mal hier waren. Und meine anderen Aufgaben und Pflichten vernachlässige ich ja auch nicht.“, erwiderte sie mit einem schnippischen Ton.
„Na komm schon, sonst wird dein Vater sauer.“, erwiderte Varion.
„Oh man na gut…!“, seufzte sie sichtlich genervt und richtete sich auf. „Bis morgen, Dvalin! Ich hab dich lieb!“, rief Leyla und winkte Dvalin freudig zu.
„Ich dich auch, Leyla! Bis morgen!“ Der junge Wolf wackelte freudig mit dem Schwanz und verschwindet Richtung Nebelschlucht wo sein Rudel wohnte.
„Hach … das letzte Mal, dass du diesen Satz zu mir gesagt hast, ist auch schon Jahre her!“, seufzte er und ließ darauf ein lachen folgen.
„Kein Wunder, du ärgerst mich ja auch nur! Warum willst du eigentlich, das ich immer bei den Sitzungen dabei bin?", ärgerte sie sich. Ihren problematischen großen Bruder Cael sammelte Varion schließlich nie ein!
"Weil sie amüsanter sind, wenn du dabei bist!", zwinkerte er.
"Klar, weil ich und Papa uns fast immer in die Haare bekommen oder?", sie runzelte die Stirn.
„Ohne, wäre es nicht mal halb so lustig!"
Ihr Onkel schien wie immer sorglos zu sein. Leyla fragte sich oft, wie er mit seinen goldenen Augen so leicht lachen konnte – trotz allem, was er durchmachen musste. Goldene Augen waren ein Zeichen dafür, dass ein Dämon die Liebe seines Lebens gefunden hatte und ihr bis zum Tod treu blieb. Doch diese Liebe war kein Segen ohne Preis. Es gab viele Dämonen, die an gebrochener Liebe verendet waren.
Und doch stand Varion hier, lachte, neckte sie als wäre nichts geschehen. Doch sie wusste zu gut, wie sehr ihn der Verlust seiner Liebe zu schaffen machte.
"Huhu Vögelchen?! Willst mir jetzt auch noch Löcher in die Augen starren?", rief Varion und holte sie aus ihren Gedanken.
Leyla stöhnte leise, während Varion sie mit seinem typischen Grinsen musterte, der immer Ärger bedeutete.
[Gekürzter Teil]
"Los, wir kommen noch zu spät!", sagte sie hastig.
"Jetzt plötzlich? Jetzt soll’s eilig sein?“, lachte Varion.
Lachend gingen sie gemeinsam Richtung Noctua. Leyla schaute noch einmal über die Schulter zur Barriere.
„Irgendwann.“